Ein Zauberreich fantastischen Dekors

Gouachen, Collagen, Applikationen

Medial

Mitten in 1001-Nacht hineingeraten zu sein war mein erster Eindruck bei einem Besuch im Atelier der Malerin. Welche Fülle assoziationsreicher Kompositionen auf differenziertem Hintergrund – ornamental, floral, pretios – und welch ein Spektrum von Motiven und Symbolen. Anleihen aus Ethno- und Archäologie: Von Persien über den Maghreb bis Mexiko und Peru. Stilverwandtschaften, einerseits an Tapisserien, Miniaturen, Palimpseste und Fadenbilder erinnernd, andererseits an die klassische Moderne.

Die Begegnung und Auseinandersetzung Europas mit fremdartigen, als exotisch empfundenen Kulturen, hatte im späten 19. Jh. mit Gauguin begonnen und war von Picasso in die Kunst des 20. Jh. eingebracht worden. Er und viele seiner kunstschaffenden Zeitgenossen und Nachfolger setzten sie individuell und divergierend fort. Vorläufer auf der literarischen Ebene gab es längst: Rousseau, Lessing, Goethe. Im Westöstlichen Diwan wird der Dialog zwischen Orient und Okzident zu einem fruchtbaren Zusammenspiel sich ergänzender Welten. Seither haben wir lernen müssen, „dass unsere Welt und ihr kulturelles Erbe durchaus nicht das Mass aller menschlichen Schöpfungen darstellt.“ (Peter Munro).

Von einer gleichfalls gelungenen Verschmelzung scheinbar wesensverschiedener Elemente zeugt ein beträchtlicher Teil des hier vorgestellten Oeuvres: Metaphern und Szenarien aus Kulturen, in denen Mythos und Märchen noch unerschöpfliche Quellen der Imagination und Inspiration sind, eingebettet in mystische Landschaften. Diese manchmal auf gekonnte Weise naiv wirkenden Grundierungen sind jedoch mehr als Zierat und Schmuck – sie verleiten zum Träumen, und sie führen zur Meditation.

Eingearbeitete Objekte – Idole und andere ’trouvailles’ aus Perlen, Glassteinen, Metall, Wachs und Stoff verleihen den Bildern oft eine plastische Qualität und machen sie ’begreifbar’. Verglichen mit den Arbeiten aus einer früheren Werkphase – meist ungegenständliche, pixel – oder facettenartige, gelegentlich strahlenförmige Flächen in leuchtenden Farben mit fraktalen Mustern – kann von Wandlung und Verfeinerung und von der Entwicklung neuer Patterns mit anderen Materialien gesprochen werden. Denn abgesehen von der Vermehrung der Gestaltungsmittel um die Bereiche des Ornamentalen, Materialen und Figurativen, ist vor allem der Wechsel zu nun abgegrenzten Ensembles auffallend. Mit spielerischer Leichtigkeit unterliegen sie einer zentrierenden Ordnung. Und für das Entstehen einer nuancierten Palette sorgen mehrfache Farbschichten, die abgeschabt und wieder neu aufgetragen werden.

© E. Sturm Basel, im November 2000