Triptychon

Triptychon - Regula Stocks

Wer kennt nicht die Ikonenwand oder Ikonostasis, wie sie in griechisch-orthodoxen Kirchen, vor allem in Rußland, den Altarraum von der übrigen Kirche trennt und deren Ursprung bis zum Pantheon in Rom zurückreichen dürfte?

Steht man nun als Betrachter vor Honorées großformatigem Triptychon 116.5 × 363.5 cm – der Mitteilteil allein hat 116 Kassetten, zu denen auf den Flügeln je 49 weitere kommen – so kann der Eindruck einer „Urverwandtschaft“ entstehen. Zwar bilden christliche Motive die Ausnahme, weil die Figuren, Masken, Symbole und Ornamente der Schatzkammer vieler Kulturen entstammen könnten. Nennen wir also diese Wand mit den farblich fein abgestimmten, gerahmten Miniaturen einfach eine Idolostasis, laut dem ursprünglichen Wortsinn „Gestalt“. Das Raffinement, mit dem diese oft sakral wirkenden Bilder zusammen gestellt sind, erlaubt keine Zuweisung zum Genre naiver Kunst.

Auch der Einwand, die drei Tableaus entbehrten einer Mitte, lässt sich nicht halten: Hat doch jede Kassette ihren eigenen, sinngebenden Fokus, dem nichts überzuordnen ist. Sehen wir uns in der neueren Kunstgeschichte nach stilistisch vergleichbaren Werken um, so fällt uns vielleicht die Pariser Malerin Séraphine Louis (1864-1942) mit ihren fantasievollen Floralbildern auf, aber auch der französische Meister Jean Lurçat (1892-1966), der mit die schönsten Tapisserien der Gegenwart schuf. Und doch: Die harmonische Ausstrahlung des Triptychon von Honorée ist wohl unvergleichlich….

© E. Sturm Basel, Dezember 2009