Laudatio

Pforten

Honorée steht in einer langen Tradition von Künstlern des 20. Jh. die sich von der außereuropäischer Kunst, von deren Motiven und Formen der Darstellung inspirieren ließen. Der Bezug auf außereuropäische Kunst, den wir in vielen der Arbeiten der Künstlerin erkennen, kann als eine Würdigung der großen außereuropäischen Kunsttraditionen verstanden werden, eine Würdigung, die ihr die Kunstgeschichte doch lange verweigerte. Die Postmoderne hat zu Recht das Fortschrittsdenken und den Kunstbegriff sowie eine Hierarchisierung der Kunst in Frage gestellt. Die Künstlerin vollzieht dies in ihrer Arbeit auf ihre ganz eigene Weise. Die Arbeiten sind eine Kombination verschiedener Materialien und Techniken. Sie arbeitet mit trouvailles aus Perlen, Stoffteilen, Glas, Papier, Holz, Metall, Farbschichten werden aufgetragen, teilweise wieder abgenommen und somit den Bildern eine Dreidimensionalität verleiht – was spielerisch leicht erscheint, ist jedoch ein Ausdruck eines langen intensiven Schaffensprozesses.

Motivische Anregungen findet sie in den Ausdrucksformen und Symbolen vieler Kulturen der Welt – Symbole, als ein entscheidender Teil der jeweiligen kulturellen Traditionen. Es erfolgt jedoch keine Kopie, keine Form der Aneignung, sondern eine Neukomposition, eine Neuschöpfung. Es ist zugleich die Verfremdung, die Kombination von vermeintlich vertrauten Symbolen in einem neuen Kontext, was die Arbeiten kennzeichnet, denn nach der Dekontextualisierung erfolgte eine erneute Kontextualisierung. Weit mehr als formale Analogismen findet eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den überwältigenden Kunsttraditionen der Welt statt. Diese bieten der Künstlerin die einzigartige Möglichkeit, den Ideen ihrer Bilderwelt neue Gestalt zu verleihen, Lösungen für formale und expressive Probleme zu finden. In Honorée’s Kunst finden sich Hinweise auf die Kunst Altpersiens, auf die des Nahen Ostens und Arabiens, auf Garnbildern der Huichol der Sierra Madre Mexikos, auf die rätselhaften Scharrbildern der prähistorischen Nazca-Kultur Perus oder den Goldarbeiten der Muisca- oder Sinú-Kultur Kolumbiens, um nur einige zu nennen.

Wer sich auf Honorée’s Bilderwelt einlässt, macht eine opulente visuelle Reise in den Vorderen Orient, nach Persien, nach Arabien oder nach Altamerika und feiert ein ‚Fest der Sinne’.

© Dr. Andreas Volz Kandern, den 02.11.2007