Regula Stocks (Honorée) – Ein Künstlerinterview

Poträt Regula Stocks 2013 (quadratisch)

Journalistin: In Deiner Vita steht, dass Du seit 2003 freischaffend bist. Deine Lust am Erfinden und Gestalten muss aber bereits früher entstanden sein. Wann? Und wie sah die Entwicklung aus?

Honorée: Schon als Kind faszinierten mich Figuren wie “König”, “Hexe” und andere Märchenmotive. Meist benutzte ich damals außer Bleistift und Buntstiften auch Farbkreide und Tempera. Nach und nach wurden Schlösser zu einem meiner Lieblingsthemen.
Als die Schulzeit zu Ende war, entwarf ich Miniaturen mit dem Rapidograph. Außerdem entstanden Bilder mit Pastellkreide, von denen manche später überarbeitet wurden. In der folgenden Periode – sie dauerte bis 1985 – beschäftigte ich mich mit Malerei auf Glas. Als ich nach verschiedenen Kursen an der Kunstgewerbeschule Basel und der Freien Akademie Freiburg – 1987 – einem Lehrer meine früheren Arbeiten zeigte, meinte er: “Ihre Handschrift ist schon so eigenständig – was wollen Sie mehr? Bleiben Sie auf Ihrem Weg!”
Nun folgten bis 1991 Bildobjekte aus Tüll, Wachs und anderen Materialien, wonach ich eine schöpferische Pause einlegte. Einige Zeit später wandte ich mich Gouachen, Collagen und Applikationen zu, ehe nach 1998 schließlich dreidimensionale Objekte in den Vordergrund traten. Seit 2003 bin ich als bildende Künstlerin tätig.

Journalistin: Du hattest ein ereignisreiches Leben, viele Begegnungen mit anderen Kunstschaffenden. Hat Dich diesbezüglich jemand oder etwas beeindruckt, gar geprägt?

Honorée: Die in meinem Elternhaus vorhandene Sammlung exotischer Gegenstände, Masken und Trophäen sowie die entsprechenden Bildbände beeindruckten mich tief. Auslandsreisen nach Paris, Chartres, Florenz und Mailand erweiterten den Horizont. Mehrere Freunde unserer Familie waren damals geachtete Kunstschaffende (Paul Hübner, Herbert Bohnert, Furio Cavallini und Karlheinz Scherer).

Journalistin: Wie ist Deine Herangehensweise an das zu schaffende Objekt? Hast Du konkrete Vorstellungen, bzw. Eingebungen oder entwickelt sich das Werk aus der Arbeit heraus?

Honorée: Tatsächlich entwickelt sich bei schöpferischen Einfällen ein Werk auf souveräne und oft überraschende Weise.

Journalistin: Was glaubst Du, beeinflusst Dich? In welchem Bezug steht Dein Werk zu Deinem Alltag?

Honorée: Im Gegensatz zum vorherrschenden Trend haben meine Gestaltungen keinen Bezug zu den Problemen der Gegenwart und schon gar nicht zu meinem Alltag.

Journalistin: Wodurch lässt Du Dich inspirieren?

Honorée: Wanderungen durch unberührte Landschaften – wo sich, wie im Burgund, Orte sakraler Kunst mit der Schönheit ihrer Umgebung verbinden.

Journalistin: Hast Du eine Botschaft oder ist das Werk die Botschaft?

Honorée: Mein Oeuvre entsteht um seiner selbst willen, also autonom, und seine Bedeutung ist im Unbewussten verborgen.

Journalistin: Wie kam es zum Pseudonym Honorée, bzw. was bedeutet es?

Honorée: Den Namen Honorée, den ich einst meinem geliebten Windhund gab, übernahm ich eines Tages als Pseudonym…

Journalistin: Viele Deiner Bilder erscheinen mir wie eine Art Speicher, im Sinne von gespeicherter Information eines Themas, einer Kultur oder Vergleichbarem. Kannst Du mit diesem Gedanken etwas anfangen?

Honorée: Die Vorstellung einer “Urverwandtschaft” mit den Schätzen alter Kulturen ist zweifellos berechtigt (s. Triptychon).

Journalistin: Wie würdest Du Dein künstlerisches Selbstverständnis definieren?

Honorée: Meine Werke sind unberührt von der akademischen Kunst. Anders als bei intellektbetonten Künstlern spielen Anpassung oder Nachahmung bei mir keine Rolle. Alle Themen und die zu ihrer Umsetzung verwendeten Materialien sind von mir. Klischees der klassischen Kunst sind ihnen ebenso fremd wie diejenigen gerade aktueller Kunstströmungen.

Schlusswort:
Was Max Imdahl (Kunsthistoriker 1925 – 1988) so schön formuliert hat beschreibt die Essenz meines künstlerischen Schaffens:

„In die Sprache der modernen Kunst eingeführt, werden archaische Bilder wie der Nachglanz einer versunkenen Welt erscheinen, sie werden in einem vergegenwärtigten Raum fortleben. Sie tragen das Zeichen ihrer herbeigesehnten Wiederkehr“.

Kandern, August 2010